Unsere Kindheit in Eichenthal !

 

Diese Bildergeschichte erzähle ich mit Hilfe von
Aufzeichnungen und Erinnerungen, die mir meine
ehemalige Klassenkameradin Eva zukommen ließ.

Obzwar mir Vieles davon persönlich bekannt ist,
und ich viel davon selbst in den ersten sieben 
Lebensjahren in Eichenthal so erlebt habe, 
möchte ich jedoch Eva Bohmann hier erzählen
lassen, denn das kann sie so hinreißend gut.

Unsere Kindheit in Eichenthal, das ist eine
unvergessliche Zeit! Und besonders die Jahre,
als wir noch Kleinkinder in unserem Elternhaus,
während der Kindergartenzeit oder während der
Grundschule waren. Denn danach wurde die Zeit
zum Spielen und Herumtollen immer knapper.
Man musste ja schließlich auch ein bisschen
im Haushalt, in der Küche, im Hof und Garten
oder bei der Versorgung der Haustiere mithelfen.

Zum Glück gab es da die Ferien und besonders die
großen, langen, aber kurzweiligen Sommerferien!
Die dauerten ganze drei Monate lang, vom 15. Juni
bis zum 15. September, eine schöne lange Zeit, in der
die Kinder viel miteinander unternehmen konnten.

Aber hier der Reihe nach! So wie diese hübschen Mädels hier!
 

 

Auf dem Foto da unten, da war man noch ganz klein!
Das war ja schließlich in 1952 oder 53...! Und sobald
man nicht mehr selbst in den Kinderwagen passte,
dann gehörte die kleine Schwester da rein!
Und die größere durfte die "Mami" sein...

 

 

 

 

 

 


 

Und solange man ganz klein war und die Eltern 
arbeiten mussten, passten oft die Oma oder
die Tanten auf die Kleinen auf:

 

 

Die meisten Mädel spielten am liebsten "Mami und Kind".

Das Christkindl war ja meistens recht lieb und brachte
 auch mal so kleine Puppenbabys in einem "richtigen"
Kinderwagen mit.

 

 

Und wenn das Christkindl mal keine richtige Puppe
auf seinem Christkindlsmarkt fand, dann spielten
die kleinen Mädel auch mit selbst gebastelten
Puppen aus Maiskolben mit langen "Zöpfen", die
aus Lieschen geflochten waren. Damit konnten
sie  stundenlang "Familie" spielen und die
Erwachsenen nachahmen.

 

Die Jungs bevorzugten schon eher "richtige" 
Spielsachen, wie Traktor, kleine Autos, Rädchen,
Ball oder Roller. Aber auch die Mädchen waren
"motorisiert", so wie die beiden Schwestern hier 
auf diesen Fotos. Sehen doch ganz flott aus, gell?
Und Spaß macht's ganz bestimmt auch!

 

 

Und hier sieht man, was früh geübt, später zum richtigen
Beruf wurde, nach dem Sprichwort: "Früh übt sich,
was ein Meister werden will"! Und der kleine
Helmuth
hier rechts neben Eva, wurde auch ein richtiger
Musiker im Leben, wenn auch kein Trommler
oder Schlagzeuger, aber immerhin ein Musiker!

 

 

 

Man ließ es sich gut gehen, egal ob am Tisch sitzend,
wie die Großen, oder auf der Schaukel...

 

 

Hauptsache, man war auch immer hübsch gekleidet,
mit feinen weißen Söckchen, luftigen blumigen
Sommerkleidchen, einer hübschen Frisur, auf das
man alles beim Spielen und Herumtollen dann
auch gar nicht so sehr aufpassen musste...

 

 

 

 

An langen Sommerabenden, an Wochenenden und in
den Ferien wurden vielerlei
Spiele im Freien gespielt.
Eva erzählte mir, was sie da alles in Eichenthal spielten.
Diese lustige Rasselbande spielt gerade im Hinterhof
"Ipitschapa", ein lustiges Fangen- und Versteckspiel.

Vorher wurde abgezählt, wer zuerst suchen musste.
Und das Abzählen ging dann so:

"Eene kleene Kerschekehre, eene kleene Klick"  oder
 "Ich und du Millersch Kuh, Millers Esel, des bischt du"  u.a.

Solange dann das ausgezählte Kind - mit dem Rücken
zu den anderen - ganz laut ein Verslein aufsagte,
liefen alle blitzschnell in alle Richtungen und
versteckten sich so gut es ging, um ja nicht als
erster entdeckt zu werden. Und Plätze zum
Verstecken gab's ja überall im Hof:
hinter dem Brunnen, unter dem Wagen, neben
den Schobern, beim Klosett, zwischen Holzstämmen ...
oh mei ! war das spannend und lustig!

 

 

 

 

 

 

 

Sehr beliebt bei den Mädeln war das Seilspringen,
also "Strickhupse" oder eine "goldene Brücke bauen".
Dabei sangen die Kinder:

"Gold'ne, gold'ne Brücke,
wer hat sie denn zerbrochen?
Der Goldschmied, der Goldschmied,
mit seiner jüngsten Tochter.

Zieht alle durch, zieht alle durch,
Den letzten woll'n wir fangen,
mit Spießen und mit Stangen"

 

 

Im Sommer spielten die Kinder ganz gerne "Schäflein,
Schäflein kommt vom Tal herein".
Kennt Ihr das auch?

Oder auch "Ri-Ra-Rutschika,
wir fahren nach Amerika,
wenn das große Wasser kommt,
dann drehen wir uns um".


Und das war eine richtige Rasselbande, Anfang der 1960er Jahre:

 

 

 

 

 

 

Dann haben Evas Spielkameraden im Winter "Katz buck dich"
gespielt oder Fikmiehl (Mühle), "Wickele-wackele, in weller Hand
han ich´s
" (also "wickel-wackel, in welcher Hand hab ich's"),
dann "Rodi Handschich" (also "Rote Handschuhe").
Dabei hat man bei aufeinander gelegten Handflächen
blitzschnell von unten auf die Oberhand des Gegners
geklatscht, bis diese ganz warm und rosig wurde.
 Und bei soviel Spaß und Konzentration spürte keiner
 mehr die Kälte!

 

Sehr beliebt waren an Winterabenden auch verschiedene
Kartenspiele, wie Pacalici-Pakalitsch, oder auch Schach,
das in Eichenthal zu einer wahren Leidenschaft wurde.
Das ganze Dorf spielte Schach!


Jedenfalls - und da stimme ich Eva voll zu - haben die
Eichenthaler Kinder mit soviel Spaß, Hingabe und Freude
gespielt, ohne jedoch dabei viel Spielzeug zu besitzen.
... Und langweilig wurde es nie, man erfand immer was Neues.

Im Sommer "bauten" sie sich in der noch leeren Scheune
(im "Hambar") ein eigenes "Haus", wo die Puppen, - oft aus
Kukrutzkolben (Maiskolben) mit ihren seidigen "Haaren" 
aus Lieschen - und andere Spielsachen, ihren Platz fanden.

Dann spielten wir Kinder außer Ipitschapa (Verstecken) ganz
 gerne noch Fangichens (Fangenspiel) oder "Tschokai hupse"
(heutzutage bekannt als "Hickelhäuschen" oder "Schule"),
im Kreidehäuschen auf dem glatten Boden, so wie hier auf
der kleinen Abbildung ersichtlich:

 

 

Wir spielten mit selbstgemachten "Pratschgeien", einer Art
Schleuder, gefertigt aus einem biegsamen starken Zweig,
dessen beide Enden mit einem Gummiband gespannt wurden.
Genau in der Hälfte vom Gummiband war ein Stück Leder
oder ein anderes festes  Material befestigt, in das man
einen Stein reinlegte, um so ganz weit schießen zu können,
und wenn's sein musste auch auf Spatzen...
Aber keine Angst, die Spatzen waren schon schneller
als der Stein, aber der Spaß war allemal groß ....

Gespielt wurde auch mit Geigen aus Kukruzstängeln,
mit kleinen Flöten aus saftigen Weidenästen und
mit "Fitschifeils" (Pfeilen) aus biegsamen Ästen.

Im Sommer liefen wir meistens barfuss, denn der Staub
auf dem Fahrweg war so herrlich weich.

Bei feuchtem Wetter oder nach einem warmen Regen
kneteten wir den Staub zu einer feinen Masse und
formten daraus "Kuchen" mit unseren Metall-
oder Plastikförmchen.

Wir kletterten auf Bäume, machten inmitten von
 dichten Hecken und Sträuchern wahre Hütten mit
Laub bedeckt, spielten gerne "Räuber und Gendarm"
und jagten Nachbars Gänse und Enten
auf der Straße.


Ja, und sonntags waren wir dann immer alle in der
Kirche, wo wir schön brav in der Reihe neben dem
Altar vor dem Fenster standen, mitbeteten und mitsangen.


An Weihnachten kam auch bei uns das Christkindl,
da waren wir immer sehr aufgeregt. Die schönen
"Letzelderpuppe" (Puppen aus Lebkuchen) hoben wir recht
lange auf, bevor wir sie dann doch irgendwann aufaßen.

 

 

 

 

 

 

Und Eva erzählt mir da noch: "An Ostern, da hat mein Otta uns
immer veräppelt. Wir machten Nester im Strohschober und
legten für den Osterhasen frisches Gras rein. Mein Otta aber
versteckte dann die Süßigkeiten und die Ostereier irgendwo
anders, z.B. im Garten, und in unsere Nester legte er
"Schofspepple" (Schafspepperl oder Schafsknuddeln).
Dann wurde die Suchaktion gestartet... Aber unser Ärger
war schnell verflogen, nachdem wir die Süßigkeiten 
vom Osterhasen dann endlich fanden..."

 

Und dann kam der Ernst des Lebens: man musste zur Schule...
Vor dem Weggehen lächelte Eva tapfer in die Sonne,
streichelte noch schnell die Katze, seufzte tief, griff dann
entschlossen nach der schweren Schultasche und ging los.

 

 

 

 

 

Und in der Schule war's dann doch auch nicht sooo... schlimm,
denn da traf man gute Kameraden, mit denen man nach
der Schule wieder herumtollen konnte.

 

 

 

 

Schön war's damals! Und wenn Ihr wollt,
könnt Ihr Euch auf den nächsten Seiten
vier selbst aufgenommene Videos angucken,
in denen meine Mutter und ich in Eichenthaler
Mundart, also "uf Schwowisch", ganz viel über
Eichenthal, seine Menschen und Geschichte,
sowie auch über meine Familie erzählen...


 Grüß Gott,
sagt Euch allen

s'Annala,

heute, am 27. Feber 2013

 

 

 

 

 

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