Unser Grenzner - Lehrer


1. Teil:
Die Schule in Eichenthal. Kurze Geschichte

 


Gleich nach der Besiedlung Eichenthals in 1894 durch
die ersten deutschen Familien wurden die ca. 30 – 40
Schulkinder ab der 1. bis zur 7. Klasse zuerst von einem
einzigen älteren und unqualifizierten Lehrer in Lesen,
Schreiben und Rechnen in ihrer deutschen Muttersprache
unterrichtet.

Ab 1905 gab's im Dorf eine staatliche Volksschule mit
einem einzigen Klassenzimmer und einem qualifizierten
Lehrer (Martin-Geza Darway).

Zwischen 1909 und 1918 wurde an der Eichenthaler Schule,
aufgrund des allgemein gestiegenen Magyarisierungsdrucks
im Banat, Ungarisch als Unterrichtssprache eingeführt, was
natürlich ein großes Ärgernis für die banatschwäbischen Dorf-
bewohner war. Diese Tatsache konnte aber bis nach dem Ersten
Weltkrieg nicht geändert werden, da das Banat zu jener Zeit
zur
k.u.k. österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte.

Erst nach dem 1. Weltkrieg, ab 1919, unterrichtete Geza
Mayer 18 Jahre lang bis 1936 / 1937 recht große Schüler-
klassen bis zur 7. Klasse wieder in deutscher Sprache.

Ab 1937 bis 1942 lehrte Franz Grenzner die Schüler,
und ab 1943 bis 1955 unterrichteten verschiedene Lehrer
(Lunguleac, Sirbu, Millich Käthe, Rothas) die deutschen
Volksschüler in Eichenthal.

Ab 1955 - 1963 unterrichtete das Ehepaar Anni und Karl
Orner und ab 1963 bis 1968 die Lehrer Krall, Holatschek
und Schuld in Eichenthal.

Hier eine zusammenfassende Aufstellung der Lehrer, die
seit der Besiedlung Eichenthals im Jahre 1894, mehrere
Jahre lang deutschen Muttersprachunterricht erteilten:

Geza Mayer von 1919 - 1935/36 (18 Jahre lang)
Franz Grenzner von 1937 - 1941/42 (5 Jahre lang)
Lunguleac, Millich, Rothas von 1944 - 1955 (je 3-4 Jahre lang)
Karl Orner von 1955 - 1962/63 (8 Jahre lang).
Die Lehrer Krall, Holatschek und Schuld von 1963 – 1968.

Danach wurde in Eichenthal kein deutscher Unterricht mehr
erteilt, da zu wenige Schüler vorhanden waren und immer
mehr Familien das Dorf verließen. Die wenigen Schulkinder
mussten ins Internat der deutschen Schule nach
Ebendorf
(Stiuca – Tschukosch) oder die rumänische Schule im
5 km entfernten Sakul besuchen.

Ab 1972 ließen sich in den verlassenen deutschen Häusern
ruthenische (ukrainische) kinderreiche Familien nieder,
so dass aufgrund der großen Anzahl ihrer Kinder zwei
rumänische Lehrer die ruthenischen Schulkinder bis zur
8. Klasse im
Dorf (jetzt Sălbăgelu_Nou) in ukrainischer
und rumänischer Sprache unterrichten konnten.

Franz Grenzner prägte nicht nur das allgemeine
Schulleben, sondern ganz besonders das musikalische
Leben in Eichenthal.

 

2. Teil:
Franz Grenzner

 


(geb. 01.12.1911 - gest. 1984)

Geboren wurde Franz Grenzner am 1. Dezember 1911
in der Banater Kleinstadt
 Karansebesch (Caransebeş).
Seit seiner frühesten Jugend hegte er den Wunsch,
Lehrer zu werden, so dass er sich letztendlich auch
dafür entschied und diesen Weg erfolgreich verfolgte.

Seine Laufbahn als Lehrer begann 1928. Er unter-
richtete in einer Reihe von Ortschaften, die von

Banater Schwaben bewohnt waren: in Morawitz
 (Moraviţa), Sackelhausen
(Săcălaz), Lindenfeld,
 
Alexanderhausen (Şandra), Franzdorf (Văliug).

Im Jahr 1932 heiratete er in Sackelhausen seine
geliebte Julianna, geborene Orso.

 


Es wurde eine glückliche Ehe, in der bald
drei Kinder das Licht der Welt erblickten:
Harald ("Harry"), geboren 1935,
Gertrude ("Bäby”), geboren 1937
und Hilde (geb. 1942 - verst. 1945)

 

(Harry, Hilde und Bäby 1944 im Schulhof von Lindenfeld;
 im Hintergrund die Lindenfelder katholische Kirche)

 

 

Von 1935 bis 1937 war Franz Grenzner Lehrer und
Direktor an der Lindenfelder Schule, wo er nach einer
 Unterbrechung von einigen Jahren erneut seine
Lehrertätigkeit zwischen 1945 bis 1949 fortsetzte.

Im Jahre 1937 kam er mit seiner Familie nach Eichenthal 
(Sălbăgelu Nou), wo er bis 1942, also fünf Jahre lang,
unser beliebter und respektierter Lehrer war.

 

(vor der Schule in Eichenthal)
 

In seiner Eichenthaler Zeit (1937 – 1942) baute
Franz Grenzner ein 
Streichorchester auf. Anfangs
waren es nur eine
 Bassgeige und zuerst acht, danach
bis zu etwa vierzehn Kinder, die 
Violine 
spielten. Dabei
scheute er keine Mühe, günstige Musikinstrumente im
Umland aufzutreiben, und er unterstützte die Eltern
auch finanziell, damit sie ihren Kindern die doch recht
teuren Instrumente kaufen konnten.

 

 

Singen und Musizieren - das praktizierten die Eichenthaler
 immer schon sehr gerne. Viele Eichenthaler Kinder und
Jugendlichen waren auch in späteren Jahren begeisterte
Musiker und Sänger, egal ob sie auf einer großen Bühne,
bei Schul- und Dorffesten oder „nur“ in der Familie
auftraten und musizierten.

 


Einer seiner musikalisch talentiertesten Schüler war
wohl
 Heinrich Schneider, der  bereits 1937 Mitglied im
Eichenthaler Streichorchester
 für Schüler und Jugendliche
wurde. Für das Streichorchester 
transponierte
Heinrich
Schneider damals schon einige Tänze und Märsche von der
einheimischen Blaskapelle und übernahm das Schreiben der
Noten. Aus ihm wurde unser berühmtester Eichenthaler
 Musiker, Dirigent, Komponist und Liedschreiber.

Das nachfolgende Schüler-Lehrer-Foto mit dem
Grenzner-Lehrer in der Mitte und meiner Vroni -Tante
links ganz außen stammt aus den Jahren 1937/38:

 

 

Das nächste Foto mit dem Grenzner-Lehrer stammt aus
dem Jahr 1938/39. Meine
Mutter steht hier in der dritten
Reihe ganz rechts und sie umarmt von hinten ihre Freundin:

 

 

In den letzten Kriegsjahren 1944 – 1945, als Rumänien die
Waffen gegen Deutschland richtete, wurde Franz Grenzner
als Staatsfeind der Kommunisten festgenommen und in vier
 verschiedenen rumänischen Lagern inhaftiert.

Auch seine Frau Julianna wurde 1945 verhaftet und nach
 Karansebesch gebracht, von wo sie – so wie unzählige andere
Banater Schwaben - in die
 Sowjetunion deportiert werden
sollte, obwohl sie daheim drei kleine Kinder zu versorgen
hatte. Sie wurde jedoch von einem Bruder eingelöst,
der sich freiwillig stellte, um an Juliannes Stelle in ein
Arbeitslager nach Russland deportiert zu werden. Zum
Glück überlebte er jene furchtbaren fünf Jahre der
russischen Deportation.

Franz Grenzner blieb bis 1945 in den rumänischen Lagern
inhaftiert und überlebte diese harte Zeit nur dank der
Essenspakete, die er von Zuhause erhielt. In jener 
schrecklichen Zeit, in der es im abgelegenen Berg-
dorf Lindenfeld weder eine medizinische Betreuung
gab, noch Medikamente und kaum was zum Essen, 
erkrankte die kleine Hilde Grenzner so stark, dass
sie nicht mehr gerettet werden konnte. Sie starb
am 11. Januar 1945, als ihr Vater noch in Haft war
und die Mutter sich vergeblich um ärztliche Unter-
stützung mühte. Hildes kleines Grab blieb im Friedhof
von Lindenfeld zurück. Über das traurige Schicksal
der Familie Grenzner und ihrer kleinen Tochter Hilde
(”Îngerul din Lindenfeld”) berichtet sehr ergreifend
 der rumänische Autor Mircea Rusnac im August 2013.
https://lindenfeld.wordpress.com/2013/08/01/mircea-rusnac-ingerul-din-lindenfeld/

 

     

(die kleine Hilde, „der kleine Engel aus Lindenfeld”)

 

1945 kehrte Franz Grenzner in einem erbärmlichen
Zustand, verlaust und verdreckt, bei 1,80 m Körpergröße
und mit nur noch 45 kg Körpergewicht, nach Lindenfeld
zurück und übernahm dort im darauffolgenden Jahr erneut
die Stelle als Schuldirektor und Lehrer. Er fungierte dort
auch ehrenamtlich als Bürgermeister, organisierte Messen
 und Predigten in der Kirche und gab dort Orgelkonzerte.

1949 verließ Franz Grenzner mit seiner Familie Lindenfeld
 und arbeitete bis zu seinem Renteneintritt (1965) in
verschiedenen Banater Schulen: in
 Ebendorf (Ştiuca),
 
Topletz (Topleţ), Wolfsberg (Gărâna), Franzdorf 
(Secul) und auch in
Reschitz (
Resita).

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Jugendjahre in
Reschitz, in denen ich die Familie Grenzner kennen und
schätzen lernen durfte, als sie für eine Zeitlang auch in
 Reschitz wohnten. Der inzwischen Opa gewordene Franz
 Grenzner, aber auch seine Frau Julianna, begleiteten
regelmäßig deren Enkelsohn, den kleinen Robert Babiak,
in die Musikschule unweit von meinem Elternhaus, wo
Robert Musikunterricht erhielt. Dabei besuchten sie oft
meine Familie, da Franz Grenzner und mein Vater seit
deren Eichenthaler Zeit sehr gut befreundet waren und
meine Mutter für eine kurze Zeit auch seine Schülerin
war. So lernte ich Robert Babiak kennen, mit dem ich
mich auch heute noch gerne treffe und austausche.

Im Jahr 1974 konnte die Familie Grenzner - nach
einem Jahrzehnt an Schikanen durch die rumänischen
 kommunistischen Behörden - endlich nach Deutschland
 auswandern, wo sie in
Reutlingen eine neue Heimat fanden.

Franz Grenzner starb 1984 in Reutlingen und hinterließ
 seine Frau, Kinder und Enkelkinder, nahe Angehörige und
 Verwandte, Bekannte und Freunde, also all diejenigen, die
 ihn zu seinen Lebzeiten schätzen und kennenlernen durften.

Sein Enkel Robert, der seinen Großvater abgöttisch
liebte, wie auch auf dem Foto darunter unschwer zu
erkennen ist, und für den er ein Leben lang Idol und
Vorbild war, trat schon ganz früh in die Fußstapfen
vom Opa, und wurde auch Lehrer und Musiker.

Robert erwähnt in seinen vielen schriftlichen Erinnerungen
über seinen Opa, dass dieser ganz bestimmt noch viel
zu erzählen gehabt hätte, denn sein Leben war sowohl
turbulent, aber auch glamourös, mit unzähligen Höhen
und Tiefen, mit genau so vielen Ungerechtigkeiten und
Freuden. Aber immer hätte er seine ganze Arbeit und
 sein ganzes Leben in den Dienste seiner Familie, seiner
 Kinder und Enkelkinder gestellt.

 



Franz Grenzner und sein Enkelsohn, Robert Babiak,
in den 1980er Jahren

 

Robert Babiak schreibt unter anderem:
„... zu Opas Lebzeiten war ich jung und an anderen
Dingen interessiert. Als mich jedoch mit den Jahren
 unsere Familiengeschichte, die Heimat und ihre Orte
 im Banat zu interessieren begannen, stellte ich mit
 Erstaunen und ganz großem Schmerz fest, dass ich
 kaum jemanden mehr darüber zu fragen fand.
Opa war nicht mehr da!“

Auch der Neue Weg, eine bekannte deutsche Zeitung
ab der 1960er Jahre in Rumänien, schrieb mal über Franz
Grenzner und speziell über seine Zeit in Lindenfeld:
 "Er war ALLES da: Lehrer, Direktor, Bürgermeister,
 Priester ... nur Hebamme war er nicht! … Franz
 Grenzners gesamter Werdegang war vorbildlich."

 

Anschließend bringe ich hier noch zwei kurze
 Geschichten über Franz Grenzner, die sein Enkel
Robert verfasst hat, und die ich hier auch für Euch
veröffentlichen darf. Und ich tue das sehr gerne,
denn es ist eine beeindruckende Hommage an
unseren Grenzner-Lehrer:

 

 

Mein Opa, der Grenzner-Lehrer
(verfasst von Robert Babiak)

Fast nur so nannten alle meinen Großvater. Er war
bekannt wie ein bunter Hund, wie er es selber zu sagen
pflegte. Das kam nicht nur daher, dass er in einer Menge
deutscher Dörfer im Banat Lehrer war, nicht nur daher,
dass er dort auch überall eine Musikkapelle gründete
oder leitete –, er war auch ein Lebensmensch, der gerne
unter den Leute war, sich für jeden einsetzte und
mit allen gut auskam.

Wenn ich irgendwo in einem dieser Dörfer unterwegs
war, musste ich nur sagen, dass ich der Enkel des
Grenzner–Lehrers war, und schon öffneten sich mir
alle Tore, ich wurde königlich bewirtet!

Vieles habe ich ihm zu verdanken, vieles hat er mir
auf meinen Lebensweg mitgegeben! Stets gut gelaunt,
gutmütig und geduldig, mit einem flotten Spruch auf
den Lippen, konnte er herrlich Witze und ironische
Bemerkungen über sich selbst machen.

Er war ein „Tausendkünstler“, und hatte eine
enzyklopädische Bildung. Das meiste hat er sich selbst
beigebracht! Es gab kaum etwas, was er nicht konnte.
Interessierte ihn etwas, gab er nicht nach, er suchte
sich Lehrmaterial zusammen, informierte sich, übte,
und bald hatte er es drauf! Er sprach fließend Deutsch,
Rumänisch und Ungarisch, dazu Lateinisch, Französisch
und auch ein wenig Italienisch. Später hat er sich in
Selbststudium die englische Sprache beigebracht.
Mit über 60 saß er jeden Tag einige Stunden mit
einem Lehrbuch da, machte Grammatikaufgaben und
büffelte Vokabeln, obwohl kein Mensch das von ihm
verlangte, und es auch nicht abzusehen war, dass
er die Sprache jemals gebrauchen wird!

Für Bekannte (und das waren nicht wenige!) saß er
tagelang und half ihnen beim Ausfüllen der Ausreise-
anträge nach Deutschland, übersetzte ihnen
diverse Dokumente, natürlich alles kostenlos!

Dass er kochen konnte, manches sogar besser als
Oma, mag heutzutage selbstverständlich sein. Vor
einem halben Jahrhundert war das aber noch keine
Selbstverständlichkeit für einen Mann! Er strickte
besser als eine Frau. Zig Pullis, Socken, Schals
und Handschuhe hat er für uns gestrickt.

Grenzner–Ota war ein Perfektionist. Alles was er machte,
 hatte Hand und Fuß und sah wie ein kleines Kunstwerk aus.
Er war ein begabter Tischler, Spengler und Schlosser.
Insbesondere die Feinmechanik faszinierte ihn.
Später, als ich die Elektronik als Hobby entdeckte,
lernte er von mir, wie das mit den Röhren und
Transistoren funktionierte, und er war über die
Elektronen genau so fasziniert wie über den Kosmos! 

Er malte und zeichnete wie ein Künstler und sogar
als Bildhauer hat er sich versucht. Schade, dass er
alle seine Werke verschenkt hat, ich konnte nur noch
einige Skizzen für mich retten! Hier einige Beispiele:

  

Als Kleinkind fing er an Geige zu spielen. Von Volksmusik
bis Klassik, es interessierte ihn alles und er spielte alles.
Nach und nach lernte er Cello und Kontrabass, Klavier,
Akkordeon und alle Blasinstrumente, von der Flöte,
über Klarinette und Trompete, bis hin zur Posaune
und Tuba – alles in Selbststudium!

Er hinterließ in jedem Dorf, in dem er Lehrer war,
eine Musikkapelle. Seinen Schülern, aber auch den
Dorfleuten, Bauern, Wald-, Gruben- oder Bauarbeitern
brachte er auch das Musizieren bei, übte mit ihnen
solange bis sie fit waren, um mit ihrer Kapelle auf
Dorffesten, aber auch zu offiziellen Anlässen oder
auch nur zur eigenen Vergnügung aufzutreten, und
sei es auch nur im Dorfwirtshaus! Tausende von Noten- 
hefte hat er dafür kopiert. Natürlich machte er auch
die Arrangements dazu und passte die Lieder den
jeweiligen Gegebenheiten an!

Obwohl er ein kürzeres Bein hatte (der „krumme Grenzner“),
oder gerade deswegen, trainierte er viel und war kräftig
wie ein Bär! Wie er selber sagte, da wo er hingeschlagen,
hat, wuchs sieben Jahre lang kein Gras mehr. Aus Büchern
brachte er sich als Kind schon die 
Jiu_Jitsu Übungen bei
und übte bis zur Erschöpfung. Sein armer Bruder musste
immer wieder als „
Sparringspartner“ herhalten!

Nur eines konnte er überhaupt nicht:
sich mit dem kommunistischen Regime anfreunden!
Das Unrecht, das ihm angetan wurde, als er schuldlos
ins Konzentrationslager gesteckt wurde und nur mit
viel Willenskraft und Glück überlebte, konnte er den
Kommunisten nie verzeihen. Zehn lange Jahre hat er
deshalb gekämpft, um nach Deutschland ausreisen
zu dürfen, immer auch mit dem Hintergedanken,
uns auch nachzuholen.

 

 

Dies geschah in Lindenfeld

(verfasst von Robert Babiak)

In Lindenfeld, einem einsamen, abgeschiedenen Dörflein
oben im
Semenik-Gebirge, war mein Großvater nicht nur
Lehrer für alle sieben Klassen, sondern gleichzeitig auch
Bürgermeister und Pfarrer. "Nur Hebamme war er nicht",
schrieb ein Reporter im "Neuem Weg" in einem Artikel
über Otata (so nannte ich damals meinen Großvater).

Zu Jahresende war es Brauch, dass sich alle Dorf-
bewohner in der Kirche versammelten, und mein Groß-
vater präsentierte ihnen in einem Rückblick die
wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres.
So war es auch um 1943, nur dass in diesem Jahr
meine Omama gerade in die Stadt musste,
nach Karansebesch.

Ohne "Überwachung" geblieben, war wohl klar, dass
der "Grenzner Lehrer" die Gelegenheit ausnutzen
musste: nichts wie rein in die Dorfkneipe, wo dann
feuchtfröhlich gefeiert wurde.

Mein Otata nahm Platz am Klavier, spielte und sang Polkas
und Walzer mit mehr oder weniger "jugendfreien" Versen.
Nachdem er nach jedem Lied gegen die trockene Luft
mit Wein und Schnaps kämpfen musste, merkte er bald,
dass es an diesem Tag mit der Versammlung in der Kirche
nichts mehr werden würde. Also einigte er sich mit dem

Mesner, der am benachbarten Tisch genauso schwer zu
"kämpfen" hatte, die kirchliche Aktion „Rückblick“ auf
den kommenden Tag zu verschieben. Gesagt, und weiter
gefeiert; und schließlich stiegen dann beide mit
brummenden Köpfen in ihre Betten daheim.

Die Frau des Mesners wusste jedoch nichts von dieser
Abmachung. Als sie sah, dass sie ihren Mann nicht
mehr wach kriegte, ging sie selber rüber zur Kirche,
um die Glocken zu läuten.

Die Dorfbewohner hörten das Glockengeläut und
versammelten sich in der Kirche, neugierig zu
erfahren, was ihnen der Lehrer erzählen wird.
Dieser aber war gerade in einem seligen, tiefen
Schlaf versunken und dachte nicht mal im Traum
mehr daran, in die Kirche zu gehen.

Die Leute warteten und warteten, schließlich
entschlossen sich einige beim Lehrer persönlich
nach dessen Verbleib nachzusehen. Sie bemühten sich,
ihn wach zu rütteln, schleppten ihn zum heiligen Ort
und setzten ihn an die Orgel. Als Otata, halb im Schlaf,
halb im Rausch, die Klappen des Instruments vor sich
sah, glaubte er sich immer noch in der Kneipe.
Er legte los mit dem "Susi, heb' dich" – Polka und
mit weiteren zweideutigen Lieder, bis dass die Kirche
bebte. Die versammelten Dorfbewohner drehten sich
ungläubig zur Orgel. Einer nach dem anderem kehrten
sie dem Altar den Rücken und fielen nach und nach
in ein kollektives Gelächter.

Eine so fröhliche "Messe" hat es noch nie in Lindenfeld,
und wohl auch weit und breit nicht gegeben!

 

In trauriger Erinnerung an den großartigen Menschen
Franz Grenzner,
den wir Eichenthaler nie vergessen werden,

grüßt euch auch diesmal wie immer

Annala

heute, am 14. Juni 2018

 

Weitere FOTOS aus Franz Grenzners Leben:
dankend erhalten von seinem Enkelsohn,
Robert Babiak

 

der kleine Franz Grenzner, geboren 1911

 

 

Franz Grenzner und seine Julianna, geborene Orsa,
zu Weihnachten 1934

 

 

Juliannas Eltern, die Familie Orsa

 

 

Franz Grenzner und seine Julianna, 1934 auf der Bega

 

 

die junge Familie Grenzner mit Söhnchen Harry, 1936

 

      

Harry Grenzner, geb. 1936 in Sackelhausen (Sacalaz)

 

Familie Grenzner mit Töchterchen Gertrude (Bäby)
am 7. Mai 1937 in Eichenthal

 

die Geschwister Hilde, Gertrude (Bäby) und Harrald (Harry) Grenzner

 

Weinlese in Eichenthal (irgendwann zwischen 1937 und 1942)

 

Familie Grenzner mit den großen Kindern, Harry und Bäby
und den Großeltern mütterlicherseits

 

Franz Grenzner mit seiner beliebten Pfeife
und weiteren Familienmitgliedern

 

Julianna Grenzner und Robert Babiak (rechts oben)
 

 

Familienfoto

 

rechts im Bild Julianna und Franz Grenzner
und weitere Familienmitglieder


 

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