Meine Mama

Auf dieser Seite geht's mit Fotos und Erinnerungen
an meine Mutter und ihre Familie weiter.

Mama selbst ist auch Eichenthalerin, geboren
am 4. Oktober 1927 in Eichenthal, aber ihre Eltern 
waren sudetendeutsche Böhmen aus dem kleinen 
Banater Gebirgsdorf Wolfsberg, und die irgendwann
in Eichenthal ihr Zuhause fanden. 

Meinen Großvater, Peter Wosnek, geb. am 01.10.1883,
durfte ich leider nie persönlich kennenlernen, da er 
bereits 1946 verstarb. Während des 1. Weltkrieges
kam er als rumänischer Soldat der k. u. k. Dynastie,
in russische Gefangenschaft nach Sibirien - meine
Mutter spricht hier von "Wostok", was auf Russisch 
"Osten" heißt. Während der 6-jährigen Gefangenschaft,
in der er bei einer Arztfamilie als Sanitäter diente, lernte
 mein Großvater recht gut russisch. Und nach dem 2.Welt-
krieg, als Eichenthal unter sowjetische Besatzung kam,
und russische Soldaten die Eichenthaler Mädchen und
  jungen Frauen jagten und belästigten, versuchte er die
fremden Soldaten in die Schranken zu verweisen. Dabei
wurde er verwundet und konnte auch nicht mehr geheilt
werden. Er starb so am 14.04.1946, noch recht rüstig und
hinterließ in jener schweren Nachkriegszeit seine Frau,
meine Oma, und die gemeinsamen fünf Kinder.
​Seine letzte Ruhestätte ist auf dem Eichenthaler Friedhof.

Hier ist ein Foto meiner Oma, der Aloisia Esterl,
geb. 11.04.1890, die allen im Dorf als "die Bessl Lois"
gut bekannt war. Sie war auch die einzigste Oma, die
 wir als Kinder erleben durften, und die wir sehr gern
 hatten und auch "ärgern" durften. Unsere Oma starb
am 20.08.1969 in Temeschburg, wo sie auch beerdigt ist.

 

Unsere Mutter lebte immer gerne in Eichenthal ,
bis unsere ganze Familie in 1960, aus Gründen,
die ich schon des öfteren in vorherigen Kapiteln
erwähnt habe, das Dorf verließ und nach Reschitz zog,
wo Mama, bis zum Tode unseres Vaters am 15.04.1993,
nicht von seiner Seite wich, jedoch schon eine Woche
nach Vaters Beerdigung in ihre neue Heimat, zu uns
Kindern nach Deutschland mitgebracht wurde,
und wo sie seither ganz zufrieden in Königsbrunn lebt.

 

 Nach Kriegsende (1945) wurde sie - kaum 17 Jahre alt - wie
weitere 56 Eichenthaler, zur Zwangsarbeit nach Russland
verschleppt, aus dem einfachen Grund, dass sie eine Deutsche
 war und zufällig das passende Alter hatte, um für den
sowjetischen "Siegerstaat" in den ukrainischen Kohlen-
gruben des Donbassgebiets, im Lager "Romanka", 
für dessen Aufbau eingesetzt werden zu können.

Mutter kam auf Grund von sehr schweren Verletzungen
nach einem Grubenunglück in Donetzk "Romanka",
Ende Oktober 1948, nach Eichenthal zurück,
 wo sie, dank der fürsorglichen Pflege ihrer eigenen Mutter,
die eine gute und bekannte Hebamme war, langsam gesundete
und wieder an einem normalen Leben teilhaben konnte.

Die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden, die hässlichen
Erinnerungen bleiben aber im Gedächtnis eingebrannt.
Und darüber könnte jede Eichenthalerin und jeder
Eichenthaler ein dickes Buch schreiben.
Meine Mutter erzählte uns Kindern sehr viel darüber,
vielleicht um mit diesem hässlichen Kapitel
endlich abschließen zu können.

Aber zum Glück gibt's auch schöne Kindheitserinnerungen,
die sie mir gerne und oft erzählt. Und zum Glück sind da
auch einige alten Fotos, die diese Zeiten für sie und für mich
auferstehen lassen.

Hier sind Schulfotos, auf denen Mama jetzt noch
- mit 87 Jahren -
fast alle erkennt und beim Namen zu nennen vermag.

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Und hier spazieren Mama und Tata elegant bei
einem Einkaufsbummel durch
 Lugosch:

 

 
In Eichenthal gab's eine starke kulturelle Tätigkeit.
Jeder war in eine Theater- oder Tanzgruppe, Chor oder 
Musikgruppe integriert, wo man aktiv teilnahm.
Das war schon immer so, seit Bestehen des Dorfes.
Und ein Muss war das besonders in den 50 - 60er Jahren,
als es dank des Lehrers, Karl Orner, dann doch nicht
so zwanghaft zuging, sondern auch ein bisschen Spaß machte:

Hier ist Mama in der ersten Reihe als dritte von links zu sehen.
Ihre Schwester Veronika steht gleich links neben Mama:

  

Und auch später verband die beiden Schwestern ein enges Band,
bis 25. Dezember 2010, als die Vroni, 85-jährig, bei Karlsruhe
ruhig und auf ewig einschlief.

Ihre andere Schwester, die Kathi, und ihre beiden Brüder,
der Sepp und der Karl, nahmen bereits vor vielen Jahren
Abschied von hier. Meinen Sepp-Onkel habe ich leider nie
persönlich kennengelernt. Er starb im Ruhrgebiet, in Walsum.
Und das war er:

 

 

Und das waren meine Vroni-Tant und mein Karl-Onkel
in ihren jüngeren Jahren, so in den 1970er Jahren in Temeschburg:

 

Das hier waren die beiden Schwestern, also meine Vroni-Tante
und meine Mutter, in späteren Jahren, hier in Bayern:

 


 Vroni-Tante besuchte ich immer gerne in Eichenthal,
auch später in Temeschburg und zuletzt in Karlsruhe,
da sie so mitreißend erzählen und lachen konnte.

Zuletzt sah ich sie im Juni 2010, ein halbes Jahr vor
ihrem Ableben; und auch da blätterten wir gemeinsam
in ihren Familienalben mit sooo vielen schönen Erinnerungen.
Jedes Foto hatte seine eigene Geschichte:

 


 




Heute blättere ich mit Mama öfters in den alten Familienalben,
 und dann erzählen wir viel über alte Zeiten und erinnern uns
jedes Mal gemeinsam an das, was war.

 

Oft sitzen wir gemütlich auf ihrem Balkon zusammen, essen eine
Kleinigkeit - so wie hier ihre guten "Polschterzipple" aus Hefeteig -
denn Mama kocht und backt immer noch gut und gerne
wie in alten Zeiten, oder wir kosten frisches Obst:




 


Manchmal reicht's auch nur ganz kurz, um die "bedrohliche"
Behördenpost - wie Mama diese immer witzigerweise nennt - 
 mit ihr durchzublättern, um sie so schnell wie möglich
von ihren Sorgen zu erlösen. 

 

oder um uns an schöne gemeinsame Zeiten mit unserem Vater
zurück zu erinnern:

 

 

Und das alles findet Mama immer wieder schön
und ich auch für notwendig ..... 


Meine Grüße,
heute, am 8. Mai 2012

 

 

 

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